Gestern in VOX: Ein Bericht über Südkorea. Boomland. Digitales Schlaraffenland mit Breitbandanschluss überall und jederzeit. Junge Leute, die überall per Handy, PDA und anderen Wundergeräten kommunizieren und in der U-Bahn star und stumm nebeneinander sitzen. Das ist der gelebte Wunschtraum aller Marketer, sagt die Stimme aus dem Off. Südkoreaner sind allesamt Early Adaptors. Großartig. Fernsehen wird nicht nur unterwegs auf dem Handy gesehen. Der neueste Schrei ist eine schrille Brille mit zwei Mini-LCDs, die Bilder direkt vor die Augen projezieren. In den Ohren stecken Stöpsel zum Hören. Was der Mund spricht, ist nicht für den Nebenmann bestimmt, sondern für den Gesprächspartner, mit dem man gerade per Handy kommuniziert.
Genervte Babys in der Bahn werden auch schon mit Videos oder Fernsehaufnahmen aus dem Handy still gestellt. Wie praktisch. Bezahlt wird mit virtuellen Eicheln die am Monatsende doch in echte harte Währung umgerechnet um vom Konto abgebucht werden.
Breitband gibt's im ganzen Land zum Niedrigstpreis. Dreiviertel aller jungen Leute bis 30 haben eine persönliche Website, die sie mit gekauften Comicbildchen aufbrezeln. Die Bildchen wirken indes alle gleich, denn in Südkorea ist Individualität kein angestrebtes Ziel. Man will so sein, wie jeder ist. Trendy, bunt, virtuell - auch infantil, zumindest was die Mangas angeht.
Der Blick nach Fernost lässt mich erschaudern. Trotzdem würde ich die Telekomiker gerne mal in den fernen Osten schicken, damit die sehen, wie man das mit dem billigen Breitbandanschluss fürs ganze Land hinkriegt (hier schaffen es die Magentafritzen noch nicht einmal, ihr breites Kabel 24 KM ins Hinterland der Hightechcity Erlangen und Metropolregion Nürnberg-Fürth zu tragen).




