Da hat sich das Bayerische Dritte gestern
wirklich was geleistet. Die fränkische
Kriminacht bot Spannung, Unterhaltung und überraschte durch
Glaubwürdigkeit und erfreute ganz besonders durch ihr Lokalkolorit.
Mehr noch: Da der ein oder andere Protagonist hörbar fränkelte,
wurden die Krimis erst so richtig menschlich. Besonders "Freiwild" und Kommissar Peter Haller
überzeugten auf ganzer Länge. Witzigerweise durfte der Schauspieler
schon mal beim Münchener Tatort den (damals ungeliebten piefigen)
Franken geben.
Schwamm drüber. In Freiwild gibt Thomas Schmauser bzw. Haller den Franken so, wie ein typischer Franke eben ist. "A weng ruich". Er lässt machen, schaut zu und handelt erst, wenn er den richtigen Moment gekommen sieht. Und wenn er was "soocht, passt's."
Der Heimatkrimi aus Franken hätte eigentlich auch wunderbar zur Tatort-Reihe gepasst. So hätten die Preußen mal gesehen, dass Bayern weitaus mehr zu bieten hat, als München und den Tegernsee.
Apropos Lokalkolorit: Als unlängst ein neues Tatort-Duo Bienzles Erbe in Stuttgart antrat, war ich total enttäuscht. Es macht doch keinen Sinn, Tatorte über ganz Deutschland zu verteilen, wenn nicht erkennbar/hörbar ist, wo gerade gespielt wird. Wenn in Stuttgart nicht mehr geschwäbelt wird, in Leipzig nicht mehr gesächselt, in München nicht mehr bayerisch, in Berlin berlinert, in Saarbrücken nicht mehr saarländisch gesprochen wird, kann man es auch gleich sein lassen. Deutschland ist so reich an Dialekten, wir sollten sie hegen und pflegen anstatt kampflos gegen die sterile Hochsprache Deutsch auszutauschen, die im echten Leben ohnehin nur als Schriftsprache existiert. Wenn überhaupt.
Also bitte ihr lieben Programmchefs: Streicht den Dialekt bitte nicht aus dem Tatort heraus. Haltet bitte unser sprachliches Erbe hoch und freut euch über deutsche Vielsprachigkeit. Auch sie gehört zur guten, spannenden, abwechslungsreichen Fernsehkrimikultur.







