Glaubt man der Werbung, sollten
wir am Muttertag unserer Mama gedenken und möglichst etwas Schönes
schenken. Die Süßigkeitenfraktion plädiert für Pralinen, die
Floristen für einen üppigen Blumenstrauß. Quer durch alle Branchen
lassen sich gewiss nette Geschenke für Mütter finden.
Aber werden wir damit den Müttern überhaupt gerecht? Und muss so ein
Tag überhaupt sein.
Meine Mutter hat sich schon vor mehr als 50 Jahren jedes Geschenk zu Muttertag verbeten und mit meinen Kindern habe ich es tatsächlich genauso gehalten. Was gar nicht so leicht umzusetzen war, denn schon im Kindergarten werden die Kleinsten aufs Geschenkebasteln für Mutti gedrillt. Dagegen lässt sich auch wenig sagen. Es sei denn, Mutti wird zum Basteln persönlich in den Kindergarten zitiert. Bei mir ist dieses Thema längst schon durch. Die Kinder sind groß, gebastelt wird schon lange nicht mehr und wenn die Drei mir etwas schenken würden, dann gewiss nicht an diesem speziellen Tag. Sie kennen mich.
Zurück zum Muttertag: Geschenke zu kaufen, ist ja so bequem. Selbst für kleine Budgets lassen sich süße, kitschige, hässliche, praktische und unpraktische Geschenke finden. Besser wäre es jedoch, die echten Wünsche der Mamas zu beachten und unabhängig vom Muttertag, ihr Gutes tun.
Was Mamas brauchen und sich wirklich wünschen, hat nichts mit Kitsch und Muttertags-Brimborium zu tun:
- Mehr Zeit. Ob für sich selbst oder für die Familie sei ihr überlassen. Fest steht: Es sind noch immer die Mütter, die Job, Haushalt und Kinder unter einen Hut bringen müssen und damit nicht selten überfordert sind. Mehr Zeit zu haben, ist heutzutage ein unerhörter Luxus. Ausschlafen - himmlisch. Lecker bekocht werden - superklasse, sofern auch das Aufräumen der Küche dazu gehört.
- Mehr Anerkennung. Was für ein Schlachtruf. Selbstverständlich verdient jede Arbeit, auch die, die dem Allgemeinwohl dient, Familienarbeit gehört dazu, Würdigung und idealerweise auch Bezahlung. Allein: Niemand schert sich darum. Wie wertvoll die Arbeit der Mutter ist, merken Familien erst, wenn Mama ausfällt.
- Mehr Freiheit. Vati fährt auf Geschäftsreise
und denkt sich überhaupt nichts dabei. Ob es deswegen zu Hause
organisatorische Probleme gibt? Als wären wir in den 1950-Jahren
stecken geblieben, geht er davon aus, die Mutter seiner Kinder
regelt das Notwendige. Sie tut das auch und damit steht fest: In den
letzten 60 Jahren hat sich in der Rollenverteilung zwischen Mann und
Frau nichts geändert. Jedenfalls bei uns in Deutschland nicht. In
Skandinavien soll das ja inzwischen anders sein, höre ich immer
wieder mit großer Freude. Und warte darauf, dass hierzulande doch
endlich mal ein gesellschaftliches Wunder passiert. Ich fürchte
jedoch: Der gerade heranwachsenden Generation fehlt es dazu dann
doch an ... ja was denn? Wissen? Intellekt? Bildung? Verantwortung?
Soziale Kompetenz?
Kaum vorstellbar dass tumbe Bubis und Bushidos sich jemals für etwas anderes interessieren, als für ihr eigenes Wohlbefinden, ihren eigenen Spaß, ihre eigene Karriere und ihr eigenes Geld. Und unsere Gesetze unterstützen sie noch dabei, indem sie Väter aus der Verantwortung entlassen, kaum dass ihr Nachwuchs drei Jahre alt ist. Soll sich Mutti doch darum kümmern und zusehen, wie sie mit dem bisschen Kindesunterhalt einen Kindergartenplatz finanziert. Oder später dann Schule, Hort und was sonst noch dazu gehört. Die Väter sind (vogel-)frei und die Mütter werden mit einem billigen Muttertagsgeschenk abgespeist. Wenn Sie mich fragen: Das ist doch alles ganz großer Mist. - Mehr Chancen(-Gleichheit) für ihre Kinder.
Jeder Schulanfang, jeder Schulausflug, jedes Geburtstagsfest mit
Freunden, ja, selbst Nachmittage im Schwimmbad sind für manche
Mütter alleine nur schwer zu finanzieren. Und die Hilfen, die der
Staat so genannten "armen" Kindern gewährt, sind doch nur
ein Tropfen auf dem heißen Stein. Familien, die in normalen Monaten
"geradeso" alle Kosten stemmen können, bekommen weder
Zuschüsse, noch reicht das Kindergeld für ein normales
Kinderleben.
Als Mama hätte und würde ich noch immer gerne auf das Kindergeld verzichten, wüsste ich, dass meine Kinder eine adäquate Berufsausbildung bekämen oder - Begabung vorausgesetzt - auch studieren könnten - kostenlos. Schluss mit der halbherzigen "Lehrmittelfreiheit", die dann doch jede Menge Kosten den Müttern bzw. Eltern aufdrückt. Papiergeld, Kopiergeld, Arbeitsmappen, Arbeitsblätter, Studienfahrten, Schulausflüge und Abschlussfahrten. Und nicht zu vergessen: die kostenlose Fahrt zur Schule, zur Ausbildungsstelle und zur Uni. Damit wäre nicht nur den Müttern und ihren Kindern gedient, sondern unserer Gesellschaft als Ganzes.
Mein Fazit: Muttertag und Vatertag gehören abgeschafft. Statt
dessen sollte vielleicht der Familientag gefeiert werden. Ich
fürchte nur, den gibt es schon. Nennt sich mal Weihnachten, mal
Ostern, mal Pfingsten und deckt fast alle
Familienmütter mit viel zu viel Arbeit ein ![]()







