"Ruf-mich-an 01809-66
66 66." Dazu ein voller Busen, der aus dem knappen T-Shirt zu
platzen droht. Solche Fernsehsspots (oder Zeitungsanzeigen) haben
Sie bestimmt schon gesehen und vermutlich dabei gedacht: Welcher
Kerl ist so blöd und ruft diese Nummer tatsächlich an? Die Wahrheit
ist: Es gibt genügend Kerle, die genau so eine Nummer brauchen und
sich ihrer immer wieder bedienen. Männer eben.
Auf der anderen
Seite: Für etliche Frauen (und Männer) ist Telefonsex ein recht gut
bezahlter Job, den sie ausüben können, ohne aus dem Haus zu gehen.
Der technische Aufwand ist gering - warum also nicht. Es ist
schließlich kein e c h t e r S e x, sondern spielt sich nur in den
Köpfen der Anrufer ab. Aufgabe der Dienstleisterin / Kundenberaterin
auf der anderen Seite der Telefonstrippe: Das vorgegebene Spiel
mitmachen und der Fantasie des Anrufers entsprechen. Sie ahnen
schon: Ohne Menschenkenntnis, Fantasie, psychologisches Gespür und
ein Höchstmaß an Sensibilität läuft da gar nichts.
Ist es ein
Wunder, dass diese DienstleisterInnen, in der Realität so gut
wie nie so aussehen, wie sie in ihrer Werbung versprechen? Wie
sollten sie auch. Himmelt doch jeder Mann ein anderes Frauenbild an.
Mal eine Blondine, mal eine Brünette, mal eine Rothaarige ...
Telefonsexdamen müssen alles sein - auf Zuruf und ohne dass der
Anrufer bemerkt, angeschwindelt zu werden. Dabei bin ich mir ja noch
immer nicht sicher, ob Kerle wirklich so blöd sind und alles
glauben, was ihnen vorgegaukelt wird. Zumal die Damen doch darauf
geeicht sind, das zu sagen, was Anrufer eben hören
möchten.
Richtig spannend und aufschlussreich ist es jedoch,
wenn ein Fotograf die Chance bekommt, Telefonsexanbieter am
Arbeitsplatz abzulichten. Die Geschichten, die diese Frauen (und ein
Mann) erzählen, sind amüsant - und für Kerle hoffentlich /
vermutlich erhellend. Der New Yorker Fotograf Philip Toledano hatte
diese einmalige Gelegenheit und zeigt das Ergebnis seiner
Telefonsex-Recherche auf seiner faszinierenden Website Phonesexthebook.com. Sehens- und
lesenswert.